Stadtführung in Plochingen mit Hundertwasserhaus

Unsere Stadtführerin erzählte uns, dass die Stadt ihren Namen von einem alemannischen Sippenältesten „Blocko“ herrührt, der die Siedlung im 3. Jahrhundert gegründet hat. Römer, Staufer und württembergische Herzöge prägten die Geschichte der Stadt. Plochingen profitierte stets von seiner günstigen geographischen Lage. Die Handelsroute Antwerpen – Venedig führte durch den Ort und das Neckartal. Im 17. Jahrhundert wurde Plochingen Poststation. Davon zeugt noch heute ein altes Schild mit dem Abbild einer Thurn-und-Taxis-Postkutsche an der Apotheke Lacorn.

Lange Zeit war der Anbau und der Handel mit Wein der wichtigste Wirtschaftszweig für die Stadt. Auswärtige Weinhändler sprachen scherzhaft vom „Hansenwein“, da viele Männer im 15. bis 18. Jahrhundert den Namen Hans trugen. Die Eisenbahn brachte dann einen weiteren wirtschaftlichen Aufschwung. Plochingen wurde zum zentralen Verkehrsknotenpunkt, was die Ansiedlung von Industrie begünstigte und den Weinbau allmählich zu Erliegen brachte.

Unsere Führung begann in der Stadtmitte am Marktplatz am wunderschönen alten Rathaus. Im Rahmen der Innenstadtsanierung wurde der Fachwerkbau mit den berühmten Balkenformen „schwäbischer Mann“ 1977 von seinem ursprünglichen Standort an den neuen Marktplatz versetzt, wo sich zuvor eine große Straßenkreuzung befunden hatte. Eine besonders wichtige Persönlichkeit für Plochingen war Marquardt von Randeck. Er erhielt 1366 die Burg Plochingen als Schenkung und blieb der Stadt sein Leben lang eng verbunden. In seinem Testament vermachte er Plochingen großzügige Ländereien, Wälder und Handelsrechte und begründete damit den Reichtum der Stadt. Bis heute ist sein Name erhalten im Namen der Marquardtschule und im Maquardtfest. Seine Bronzeskulptur steht vor der Ottilienkapelle.

Unweit des Rathauses bewunderten wir den Marktbrunnen, der 1978 vom berühmten Künstler Karl Ulrich Nuss aus Strümpfelbach gestaltet wurde. Oben auf der Brunnensäule thronen Fischmann und Fischfrau. Sie symbolisieren den Neckar und die Fils, die hier zusammenfließen.

Einige historische Ereignisse, die in Plochingen stattgefunden haben, sind am Brunnen abgebildet: Das deutsche Sängerfest von 1827, die erste deutsche Feuerwehrversammlung von 1853 und natürlich die Gründung des Schwäbischen Albvereins 1888 in der Gaststätte Waldhorn.

Besonders bekannt ist Plochingen für die Hundertwasser-Wohnanlage. Über die österreichische Partnerstadt Zwettl konnte der Kontakt mit Friedensreich Hundertwasser hergestellt werden. Er gestaltete den sog. „Regenturm“ mit den vier goldenen Kugeln. Der Künstler verwendete am Bau nur die allerbesten Materialien und so wurden die Kugeln sogar mit Blattgold belegt. Wir konnten in den Innenhof mit den schön gestalteten Häuserfronten hineinsehen. Kunst und Skulpturen begegnen dem Besucher in Plochingen immer wieder, nicht zu vergessen auch das künstlerisch gestaltete Klohäuschen von Tomi Ungerer! Die Stadt ist auf jeden Fall eine Reise wert.

Christa Mugele